“Steinheimer Tisch” mit Bürgermedaille ausgezeichnet

Die Stadt Steinheim würdigt einmal jährlich Bürgerinnen und Bürger für besondere ehrenamtliche Verdienste im Sinne des Gemeinwohls und verleiht als äußere Form des Dankes und der Anerkennung die „Bürgermedaille“. In diesem Jahr wurde der „Steinheimer Tisch“ vorgeschlagen und von dem entsprechenden Gremium als Preisträger ausgewählt. Die Arbeit des „Steinheimer Tisch“ ist im Umfeld der Stadt Steinheim ein unverzichtbarer Bestandteil der Freien Wohlfahrtspflege. Die Einrichtung trägt dazu bei, dass Not geringer wird.

Bürgermedaille

Bürgermeister Joachim Franzke überreichte den Helferinnen und Helfern des „Steinheimer Tisch“ im Rahmen der feierlichen Preisverleihung Medaille und Urkunde und beglückwünschte sie im Namen von Rat und Verwaltung herzlich zu dieser Auszeichnung. Dem weiteren Wirken des „Steinheimer Tisch“ wünschte er viel Erfolg und die Unterstützung von privater und öffentlicher Seite, die diese Einrichtung für ihre wertvolle und segensreiche Arbeit benötigt. Auch allen Unterstützern und Sponsoren des „Steinheimer Tisch“ sprach er seinen Dank aus.

Freiwillige Mitarbeit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie verdient in hohem Maße Anerkennung und Respekt von der Gesellschaft, die an diesem Einsatz für die Mitmenschlichkeit partizipiert und sich auf diese Hilfe in Notlagen verlassen kann.

Menschen mit dieser Einstellung tun mehr als ihre Pflicht. Sie sind eine wertvolle Bereicherung unserer Zivilgesellschaft.

Die Idee der Tafeln ist bestechend. Sie ist naheliegend, einfach und doch von großer Wirkung:

Tag für Tag werden Lebensmittel aus den verschiedensten Gründen aus dem Verkauf genommen, etwa weil das Haltbarkeitsdatum kurz vor dem Ablauf steht, weil Obst und Gemüse kleine „Schönheitsfehler“ haben, das Brot vom Vortag ist und damit nicht mehr regulär verkauft werden kann oder weil Lebensmittel einfach aus einer Überproduktion stammen.

Auf der anderen Seite können sich nicht alle Menschen ihr tägliches Brot leisten. Vor allem manchen Familien oder auch Alleinerziehenden fällt es häufig schwer, den täglichen Unterhalt zu finanzieren. Deshalb mussten Wege gefunden werden, um mit dem Überfluss auf der einen Seite die Not auf der anderen Seite zu lindern. Eine Idee aus den USA ist auch in Deutschland mittlerweile in vielen Städten etabliert. 1963 wurde dort die erste „food bank“ ins Leben gerufen. Dreißig Jahre später eröffnete in Berlin der erste „Tafelladen“ in Deutschland. Weitere kamen hinzu und füllen schon lange eine immer größer werdende sozialpolitische Lücke, die trotz staatlicher Transferleistungen zunimmt.

Seit 2004 gibt es auch in Steinheim eine entsprechende Einrichtung; den „Steinheimer Tisch“ in Trägerschaft der Ev. Kirchengemeinde.

Es hat sich immer deutlicher gezeigt, dass sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger Hilfe brauchen. Und so fanden sich unter damaliger Leitung von Frau Doris Minah freiwillige Helfer zusammen und wurden aktiv. Der „Steinheimer Tisch“ arbeitet nach dem Motto „Jeder gibt was er kann“. Dieser Leitspruch ist für Bäckereien, Lebensmittelmärkte, Supermarktketten, Wochenmarkthändler, Metzgereien und vor allem den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bei ihrem großartigen Einsatz zugunsten bedürftiger Mitmenschen Richtschnur und Leitlinie. Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, zahlreiche Rentnerinnen und Rentner sowie weitere Menschen mit geringem Einkommen können beim „Steinheimer Tisch“ für den kleinen Eigenanteil von einem Euro hochwertige Lebensmittel erhalten. Auch in Steinheim ist es ausschließlich dem beispiellosen Einsatz ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer zu verdanken, dass dort geholfen werden kann, wo „Not am Menschen“ herrscht.

Der „Steinheimer Tisch“ ist aber mehr, als „nur“ eine günstige Quelle für die Versorgung mit Lebensmitteln. Er ist Anlaufstelle und Kommunikationsbereich für manche Menschen, die sich in der Gesellschaft vereinsamt und isoliert fühlen. Die Helferinnen und Helfer haben für jeden Einzelnen ein Lächeln und ein offenes Ohr.

FOTO: JOSEF KÖHNE